Jochen Muhs
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Am kommenden Dienstag, den 14.12.2010, findet die Trauerfeier für Jochen Muhs (s.u.) statt, im engsten Familien- und Freundeskreis. Einer seiner besten Freunde, Wolfgang Schmidt, hat einen Nachruf geschrieben:

Was ist das für ein komischer deafie, mit langen Haaren und Hippie-Klamotten? Das hat Jochen gedacht, als wir uns zum ersten Mal begegneten, beim Jugendfestival 1977 in Berlin. Trotzdem hat er mich, den "Hippie-deafie", damit beauftragt, als Schiedsrichter einzuspringen. Damals hätten wir wohl beide nicht gedacht, dass sich daraus eine jahrzehntelange und innige Freundschaft entwickeln würde. Trotz der anfänglichen scheinbaren Gegensätze stellte sich bald heraus, dass wir doch auf einer Wellenlänge waren, was politische und kulturelle Ansichten und Ziele betraf.

Anfangs waren die sportlichen Aktivitäten noch vorherrschend. Zusammen mit Rudi Sailer gründeten wir die Deutsche Gehörlosen-Sportjugend. Ausgehend von der Sportjugend beschäftigte Jochen sich mit der Geschichte der Gehörlosen. Die "deaf history" wurde zu seinem Hobby, und in diesem Hobby wurde er zu einem Profi. Um nur ein Beispiel zu nennen: Jochen setzte sich vehement dafür ein, für jüdische Holocaust-Opfer Stolpersteine zu setzen. Und er sorgte dafür, dass der verdiente Gehörlose Eduard Fürstenberg einen würdevollen Gedenkstein bekam. Deaf history war für ihn nicht trockenes Studium verstaubter Schriften, sondern auch politischer Einsatz, um das Selbstbewusstsein der Gehörlosengemeinschaft zu stärken.

Seine anfängliche Skepsis gegenüber der Gebärdensprachbewegung wandelte sich zum begeisterten Engagement für die DGS. Nächtelang haben wir darüber diskutiert, wie man die Anerkennung der Gebärdensprache erreichen könnte. 1998 war dieses Ziel dann erreicht, in Berlin als einem der ersten Bundesländer!.

Aus den gemeinsamen Interessen entwickelte sich immer mehr eine persönliche Freundschaft, auch zwischen unseren beiden Familien. Dazu gehörten auch gemeinsame Urlaubsreisen, z.B. mit amerikanischen Freunden ins ehemalige Ostpreußen. Geplant waren eine Silvesterfeier und eine Kreuzfahrt für das nächste Jahr, auf die wir uns alle schon gefreut hatten. Umso heftiger war mein Schock, als ich auf dem Rückflug von einem Urlaub mit einer Gehörlosengruppe im Flugzeug erfuhr, dass Jochen verstorben war. Unfassbar! Wir werden nicht nur Jochens Sachverstand und Engagemant vermissen. Uns fehlt der Freund! Wenn ich jetzt nach Berlin reise, ist alles so leer. Niemand, der mir die Berlinder Currywurst zeigt und sie probieren lässt, niemand, der mir an jeder Straßenecke etwas zeigen und erkären kann! Aber in meiner Erinnerung wird Jochen immer lebendig bleiben.

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