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Buchpremiere 'Von der Fürsorge zur Inklusion'


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"Die Karl-Luhmann-Heime haben 2012 ihr 100 jähriges Bestehen gefeiert. Das war für den Trägerverein, den Verein Hilfe für hörgeschädigte Menschen in Niedersachsen e.V., Anlass, den gehörlosen Historiker Helmut Vogel mit der Erstellung einer Chronik der Karl-Luhmann-Heime zu beauftragen. Gemeinsam mit ihm haben wir die Geschichte der Karl-Luhmann-Heime aufgeschrieben. Wir wollten dabei nicht nur etwas über uns, sondern auch über die Entwicklung anderer Einrichtungen für hörgeschädigte Menschen erfahren und gemeinsam mit Helmut Vogel als gehörlosem Experten in die Zukunft schauen."

Aus den Arbeiten von Helmut Vogel und den Journalisten Katja Jacob, Barbara Strunk, Lena Degenhardt und Martina Kemme ist nun ein richtiges Buch entstanden. Aus diesem Anlass möchte die Hilfe für hörgeschädigte Menschen in Niedersachsen e.V. und die Gemeinnützige GmbH für hörgeschädigte Menschen, alle herzlich zur Buchpremiere inkl. Vorlesung einladen:

Der Eintritt ist frei und Gebärdensprachdolmetscher sind anwesend: Am 15. Juli 2014 um 17 Uhr, Treffpunkt der Hilfe für hörgeschädigte Menschen in Nds. e.V., Knollstraße 96, 49088 Osnabrück. Mehr Infos siehe Einladung!

Laut- und Gebärdensprachnutzung bei Cochlea-Implantat-TrägerInnen

Gerhild Klein hatte unter anderem hier im Taubenschlag nach InterviewpartnerInnen gesucht (s.u.). Die Kurzfassung ihrer Diplomarbeit ist nun im Magazin DAS ZEICHEN erschienen, und sie möchte Ihnen den Artikel zur Verfügung stellen.

"Worum geht es darin:
Bisher gab es wenig Forschung zur eigenständigen und selbstbestimmten Sprachwahl von Cochlea-Implantat-TrägerInnen. Ich habe in meiner Diplomarbeit narrative Interviews mit CI-TrägerInnen durchgeführt und sie vor allem nach ihrer Sprachwahl und -nutzung befragt. Die Ergebnisse meiner Arbeit zeigen, dass die Betroffenen oft nicht selbstbestimmt ihre
verwendeten Sprachen wählen können. Sie verwenden meist den Kommunikationsmodus, den ihre GesprächspartnerInnen nutzen, also passen sich an. Gebärdensprache und andere manuelle Kommunikationsformen werden von allen meinen InterviewpartnerInnen als wichtige Ergänzung zur lautsprachlichen Kommunikation gesehen. Meine Schlussfolgerung ist, dass
CI-TrägerInnen ein frühzeitiger Kontakt zur Gebärdensprache ermöglicht werden muss und diese gefördert werden muss. Nur dann gibt es mehr Wahl- und Entscheidungsfreiheit. Außerdem forderten die von mir Interviewten mehr Aufklärung und Information sowohl der Betroffenen selbst und ihres Umfelds als auch der sie umgebenden Gesellschaft, die sich stärker an die Bedürfnisse hörgeschädigter Personen anpassen sollte, indem diese wahrgenommen, anerkannt und berücksichtigt werden.

Wer die komplette Diplomarbeit lesen möchte, kann sich bei mir unter gerhild.klein[ät]yahoo.de melden.

Ich bedanke mich bei allen, die sich auf meinen Aufruf im Taubenschlag gemeldet haben und sich als InterviewpartnerInnen zur Verfügung gestellt haben. Ohne euch wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen! Viel Spaß beim Lesen!"

Undurchsichtiger Markt

Apotheken-Umschau

Artikel oder Ferensehberichte, die sich mit dem Thema Hörgeräteversorgung befassen, laufen oft Gefahr, in sensationslüsternen Enthüllungsjournalismus abzugleiten. Anders der Artikel von Dr. Reinhard Door in der heute erschienenen Ausgabe der Apotheken-Umschau. Dr. Door nimmt kein Blatt vor den Mund, kritisiert, was es an Missständen gibt, aber er bleibt dabei immer sachlich und damit unangreifbar. Er beleuchtet das Thema von allen Seiten, stellt alle Beteiligten dar: die Hersteller, die Krankenkassen, die Ärzte, die Hörgeräte-Akustiker und die Patienten. Er weist am Schluss auf die preisregulierende Wirkung des Akustiker-Wechsels hin, und damit die "Macht" des Patienten. Allerdings ist diese Macht doch sehr beschränkt und wohl eher theoretisch. Man reist nicht kilometerweit, um einen preisgünstigeren Akustiker zu finden. Letzten Endes kann auch Dr. Door nur feststellen, dass man auf einen "schwer durchdringbaren Dchungel aus Verträgen, Richtlinien und Geschäftsbeziehungen stößt - und auf die Kernfrage: Will sich jemand an den Nöten der Patienten eine goldene Nase verdienen, oder steht wirklich der Wunsch im Vordergrund, Schwerhörigen zu helfen?"

Ein rundum lesenswerter Artikel. Und das Schönste: Sie bekommen die Apotheken-Umschau gratis in jeder Apotheke! ;-)

Kommunikationsförderung durch Kunsttherapie bei Vorschulkindern mit Hörschädigung

Kunsttherapie

Der LVR-Kindergarten der Johann-Joseph-Gronewald-Schule in Köln hat in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsbereich Heilpädagogische Kunsterziehung/Kunsttherapie der Universität zu Köln ein Pilotprojekt für hörgeschädigte Kinder durchgeführt. Der Fokus des Pilotprojektes lag auf der Förderung von Kommunikation und künstlerisch sichtbarem Ausdruck von Gefühlen.

Im Mittelpunkt der Studie stand die Frage, in wieweit Kunst zur persönlichen Entwicklung, zur Steigerung der Kommunikationsfähigkeit und des Selbstbewusstseins beitragen kann. Verschiedene Evaluationsinstrumente begleiteten die Untersuchung.

Anhand einer Einzelfallstudie aus dem Pilotprojekt wird die Vorgehensweise und das Ergebnis veranschaulicht.

Prof. Haartolles Wortgestöber

Prof. Haartolle? Na, den kennt doch jeder in der deaf world: Prof. Dr. Christian Rathmann, der erste und bisher einzige gehörlose Professor in Deutschland. Seine Namensgebärde hat der SPIEGEL als Überschrift für einen Artikel über das DGS-Korpus-Projekt gewählt. Und damit voll ins Schwarze getroffen: DGS ist eine visuelle Sprache, und auch viele Namen richten sich am Visuellen aus. Aber der Artikel beschränkt sich nicht auf das Projekt, sondern holt weit aus, bis hin zur Geschichte und zum Bildungswesen. 3 1/2 Seiten zum Thema Gebärdensprache und Gehörlose. So viel Raum für die kleine Minderheit - erstaunlich! Und der krönende Abschluss des Artikels ist ein Witz:

"Den Witz der Woche? Auch danach hat sie (Susanne König) gefragt auf ihrer Expedition durchs Pickelhaubenland - und ist dabei auf teils skurrilen Humor gestoßen.
Die Frau mit der Krone erzählt mit Stimme und Händen: "Der Integrationsbeauftragte hat die totale Gleichstellung aller Behinderten erreicht. Jetzt ist er gestorben. Drei Behinderte stehen vor seinem Grab: ,Danke für das, was du für uns getan hast', sagt ein Blinder und wirft gerührt seinen Stock auf den Sarg. ,Danke für alles', sagt ein Gelähmter und kippt seinen Rollstuhl hinab. ,Danke', gebärdet der Gehörlose - und schubst einen Übersetzer ins Grab."

 Jetzt ist der Artikel endlich online: Prof. Haartolles Wortgestöber.

Carl Wilke und seine Bildertafeln

Wilkes Bildertafel Feldernte
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Ein taubstummer Lehrer - damit war Carl Wilke schon vor ca. 200 Jahren ein leuchtendes Vorbild für seine Schüler. Ihm war aus eigener Erfahrung klar, dass Gehörlose "Augenmenschen" sind und visuell besonders gut lernen. Sie brauchen Anschauungsmaterial, und da Wilke gleichzeitig Künstler war, hat er Bildertafeln gezeichnet. Die sind nicht nur wunderschön und gewähren einen Einblick in das Leben der Menschen vor 200 Jahren, sie waren auch richtungweisend im Unterricht, und zwar nicht nur im Unterricht für Gehörlose! Bei Hörenden waren sie mindestens ebenso beliebt.

Welche Bedeutung Wilkes Bildertafeln für die Medienpädagogik hatten, hat der niederländische Professor Jo Thijssen untersucht und in einem Referat auf einer Tagung dargestellt. Prof. Thijssen war so freundlich, uns den Artikel zur Veröffentlichung zur Verfügung zu stellen:

Vortrag zum Thema 'Schlaganfall' in Frankenthal

LV RLP

Am Freitag, den 06. Mai 2011, 18.00 Uhr veranstaltet der Landesverband der Gehörlosen RLP einen Vortrag zum Thema "Schlaganfall".

Wo: Kommunikationszentrum für Hörgeschädigte in Frankenthal, Carl - Spitzweg - Str. 30

Referent: Dr. Roth, Arzt im Krankenhaus Frankenthal

Eintritt: Mitglieder frei, Nichtmitglieder 5,00 €

CI-Zwang? - Anmerkungen von Jens Heßmann

Prof. Dr. Jens Heßmann

Beim Namen Jens Heßmann erinnern sich viele spontan an seine Kolumne "Schon gehört? Unerhört!" im ZEICHEN. Die war immer ganz hinten im Heft, wurde von den meisten aber als erstes gelesen. Und hat oftmals Lachtränen bewirkt - aber immer voll ins Schwarze getroffen. Ja, toll schreiben konnte er schon immer. Und Sachverstand hat er zudem. Seit Wintersemester 1998/99 ist er als Professor für Gebärdensprachdolmetschen am Fachbereich Sozial- und Gesundheitswesen der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) tätig, mit Beginn des Wintersemesters 2003/04 im Amt des Dekans. Nicht nur das. Durch seine gehörlose Frau und deren gehörlose Familie ist er zudem voll drin in der Deaf Community. Er weiß, wovon er spricht und schreibt, als Wissenschaftler und auch privat. Ins Tagesgeschehen hat er in letzter Zeit aber nur selten eingegriffen. Nun konnte er es sich aber wohl nicht mehr verkneifen.

Zum Aufsatz "Haben gehörlose Kleinkinder ein Recht auf ein Cochleaimplantat?" von Müller & Zawacko (s.u.) musste er einfach seinen Senf dazu geben. Und er tut das im bekannten Stil von "Schon gehört? Unerhört!". Mit unschlagbaren Sachkenntnissen, aber durchaus nicht abgehoben professoral, sondern z.T. ein wenig frech und schnodderig, und an manchen Stellen kann man sich das Lachen nicht verkneifen. Bitterernst ist allerdings seine Ablehnung von Zwangsmaßnahmen, und er setzt sich vehement gegen die Diskriminierung der Gehörlosengemeinschaft zur Wehr.

Am Schluss seiner Stellungnahme hebt er die wissenschaftlichen Qualifikationen seiner Kolleginnen hervor. Aber: "Es wird wohl so sein, dass dem schreiberfahrenen Zugriff des vielbeschäftigten Wissenschaftlers die spezifischen Gegebenheiten eines bestimmten Wirklichkeitsbereichs fremd bleiben können. Und haben nicht auch kluge Autorinnen das Recht auf einen schlechten Aufsatz? Gewiss doch, aber ein bisschen schämen sollten sie sich schon." - Da kann man sich das Lachen dann wieder nicht verkneifen!

DGS als Unterrichtssprache

Melanie Drewke und Lutz Pepping

Melanie Drewke und Lutz Pepping, gehörlose Studenten an der Uni Hamburg, haben dort eine kleine Revolution gestartet. (Wir hatten berichtet: Kommunikationsrevolution und Revolutionäre Experimente.) In der neuesten Ausgabe (84/2010) der Zeitschrift DAS ZEICHEN haben sie gemeinsam mit der Dozentin Verena Krausneker einen Artikel veröffentlicht zum Thema "DGS als Unterrichtssprache - Erneute Seminarexperimente an der Universität Hamburg".

Im nachfolgenden Beitrag schildern zunächst die beiden Studierenden  Melanie Drewke und Lutz Pepping ihre Eindrücke aus zwei Seminaren, in denen Deutsche Gebärdensprache (DGS) als Unterrichtssprache eingesetzt wurde. Im abschließenden Teil stellt Dr. Verena Krausneker ihre Erfahrungen mit bilingualem Unterricht auf universitärem Niveau aus der Perspektive einer Lehrenden dar.

Teilnehmer für Traumstudie gesucht

Im Schlaf Geld verdienen? Naja, nicht ganz richtig - man muss schon etwas dafür tun. Nämlich den Traum aufschreiben. Wenn Sie gehörlos oder hörgeschädigt sind und 2 Wochen lang ein Traumtagebuch führen, dann werden Sie mit 30 Euro belohnt.

Frau Dr. Voss möchte mit ihren Studierenden Trauminhalte untersuchen. Und zwar von Personen mit und ohne körperliche Einschränkung. Denn diese Studie kann wichtige Hinweise auf "unbewusste" Informationsverarbeitungsweisen geben und ist für die Bewusstseinsforschung sehr wichtig.

Wer mitmachen möchte, schreibt bitte eine Mail an u.voss@uni-bonn.de, man erhält dann genaue Anweisungen und das Material.

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'Sprache ist mehr als Worte'

MS Wissenschaft

Das wissen Gehörlose schon längst, und auch ihre Sprache, die Gebärdensprache, wird auf dem Schiff MS Wissenschaft vorgestellt.

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Ethik und Hörschädigung

Buch: Ethik und Hörschädigung
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»Ethik und Hörschädigung. Reflexionen über das Gelingen von Leben unter erschwerten Bedingungen in unsicheren Zeiten« Das ist der Titel des gerade neu erschienenen, von Prof. Manfred Hintermair herausgegebenen Buches.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts steht die Menschheit in vielerlei Hinsicht vor großen und umwälzenden Herausforderungen. Angesichts zunehmender Phantasien biotechnischer Machbarkeit von Menschen sowie massiver Verunsicherungen durch gesellschaftliche Veränderungsprozesse rücken Fragen danach, in welcher Welt wir leben wollen und wie wir in dieser Welt leben wollen, wieder verstärkt in den Horizont theoretischer wie praktischer Überlegungen. Für Menschen mit Behinderungen sind diese Diskussionen besonders wichtig, da sie in besonderem Maße gefährdet sind, von diesen Herausforderungen schneller, intensiver und nachhaltiger tangiert zu werden.

Den von Bernd Rehling für dieses Buch verfassten Artikel können Sie auch hier online lesen:
»Ethik und Hörschädigung... «

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